Kein Tag zum feiern

Veröffentlicht am 04.04.2012 in Allgemein
Dieser Tage diskutiert die deutsche Politik über die Einführung eines neuen Gedenktages zu Ehren von „Veteranen“, welcher nach dem Willen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière am 22. Mai abgehalten werden soll. Zugegeben, wir sind überrascht, dass eine Sache diskutiert wird, dass es bisher noch nicht auf die politische Agenda geschafft hat.

 

Überrascht sind wir aber auch darüber, dass sich Widerspruch zu diesem Thema eher in Details der Ausgestaltung erschöpft und nicht eine generelle Kritik – sieht man von der LINKEN einmal ab – an dem Vorhaben geäußert wird. Die „pazifistischen“ GRÜNEN monieren lieber, dass nicht auch Polizisten und Entwicklungshelfer geehrt werden und der verteidigungspolitische Sprecher der SPD ließ verlauten, dass ein solcher Tag die gesamte Gesellschaft durchdringen müsse und nicht nur einer unter vielen Gedenktagen sein dürfe. Letzteres überrascht uns nicht nur, es enttäuscht uns!

Offenbar hat sich der Diskurs in einem Land, das sich nicht mehr scheut, ehemals als humanitäre Interventionen titulierte Einsätze als Krieg zu bezeichnen, derart verschoben, dass die Problematisierung des deutschen Expansionismus kaum noch eine Rolle spielt. Wir diskutieren lieber darüber, dass deutsche Soldaten am Hindukusch sterben; mokieren uns, dass die Einheimischen die Arbeit der deutschen Armee nicht schätzten, anstatt generell die Sinnhaftigkeit einer solchen Praxis zu hinterfragen. Der Krieg ist Alltag, da darf die Ehrung der „tapferen Helden“ natürlich nicht vergessen werden.

Für uns ist klar, dass es keinen Veteranentag geben darf. Wir verstehen nicht, warum die Tötung von Menschen ritualisiert gefeiert werden soll. Die Einführung eines solchen Gedenktages trägt dazu bei, den Krieg zu normalisieren, es verflacht den politischen Diskurs weiter und führt dazu, dass Diskussionen darüber, mit welcher Legitimität die Bundeswehr in andere Länder einfällt, vermieden werden. Wir sagen deutlich: deutsche Soldaten sind keine Helden und als solche verdienen sie auch keinen besonderen Gedenktag. Es ist schlimm genug, dass Deutschland in anderen Ländern Krieg führt, das muss an der „Heimatfront“ nicht auch noch gefeiert werden!
 

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