Kandidatur als stellv. Landesvorsitzende der Jusos Thüringen - Sarah George

Veröffentlicht am 09.06.2017 in Parteileben

Liebe Genoss*innen,

ich bin Sarah, 22 Jahre alt und bekomme in meinem Studium an der FSU Jena einen Einblick in ziemlich konservative Politikwissenschaft und unkritische Wirtschaftswissenschaft. Bei den Jusos habe ich damals Gleichgesinnte gesucht und gefunden, mit denen ich mich über meine eigenen Vorstellungen einer gleichberechtigten Gesellschaft, linker Politik und der Überwindung des Kapitalismus austauschen konnte. Diese Vorstellungen haben sich durch meine Zeit bei den Jusos spezifiziert, erweitert und mir vor allem gezeigt, dass der Kampf für die Umsetzung dieser Ziele noch lang nicht erreicht ist und jede Menge Engagement benötigt!

Und wenn ich gerade nicht engagiert bin, verbessere ich die Welt über meinen Instagramaccount, (meine Follower schätzen besonders meine Realness) oder teste neue Fritz Mitte-Soßen (aktuelle Lieblinge: Harissa und Trüffel).

Da ich aus einer Arbeiter*innenfamilie komme, ist mir auch bewusst, dass die aktuellen Formen der politischen Beteiligung viele Menschen ausschließt. Zeit ist in unserer Gesellschaftsordnung, die dem Wachstumszwang des Kapitalismus unterliegt, eine immer knappere Ressource geworden. Ich will, dass es allen Menschen möglich ist, sich für eine bessere Welt nach ihren Vorstellungen einzubringen. Dafür benötigt es Chancengleichheit und Teilhabe für alle!

Ich bin seit mehreren Jahren bei der AWO aktiv und begleite dort Ferienfreizeiten, die sich gezielt an Familien aus allen gesellschaftlichen Schichten richten. Dabei merke ich immer wieder, wie früh sich soziale Ungleichheit verfestigt. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder sollten nicht davon abhängen, ob sich die Eltern eine Privatschule, die neuesten Schulbücher oder eben Ferienlagerfahrten leisten können. Ich bin überzeugt, dass wir dafür Privatschulen abschaffen und mehr in staatliche Schulen investieren müssen, um auch dort alternative Schulformen zu ermöglichen. Auch Förderschulen sollten abgeschaffen und Inklusion mit den besten Bedingungen in einer Schule für alle gefördert werden, die der Grundstein für eine tolerante, vielfältige und inklusive Gesellschaft ist. Darüber hinaus benötigen wir eine stärkere Besteuerung der obersten 10% der Bevölkerung, um die öffentliche Infrastruktur auszubauen.

Während des letzten Jahres im Landesvorstand habe ich zahlreiche Workshops und Veranstaltungen organisiert. Am meisten liegt mir dabei die Feminismus-Reihe „your body is a battleground“ am Herzen, die vor einigen Wochen angelaufen ist und eine derjenigen Veranstaltungen darstellt, mit der wir es schaffen, Menschen zu unseren Veranstaltungen zu mobilisieren, die (noch) keine Jusos sind. Ich habe schon viele Ideen für Themen und Referent*innen, mit denen ich diese Reihe gern weiterführen würde, um somit feministische Inhalte dauerhaft in den Fokus der Debatten in unserem Verband zu rücken.

Feministisches Handeln ist für mich relevant für alle Lebensbereiche und darf nicht nur an der Oberfläche kratzen. Die gleiche Bezahlung von Männern* und Frauen* oder die Einführung einer 50%-Quote in allen Gremien müssen definitiv als nächste Schritte folgen, dürfen allerdings nicht das ausschließliche Ziel der Bewegung sein. Noch immer werden Frauen*  in so vielen Bereichen unserer Gesellschaft diskriminiert und alte Wertvorstellungen und Rollenbilder hindern uns daran, unser Leben selbstbestimmt zu gestalten

Um nur einige Beispiele zu nennen: Die noch immer hohen Zahlen von häuslicher Gewalt (jede vierte Frau* in Deutschland) und die nur sehr geringen Möglichkeiten sich gegen sexuelle Übergriffe rechtlich zu schützen. Über den bereinigten Gender Pay Gap von 8% geht die Diskriminierung von Frauen* innerhalb des Arbeitsmarktes noch weiter: Sorgearbeit, wie das Erziehen der Kinder, die Pflege von alten Menschen, oder das Führen des Haushaltes, wird meist von Frauen* übernommen, unbezahlt und für den Arbeitsmarkt unsichtbar. Oder der in Europa erstarkende Rechtspopulismus, der mit einem Backlash der Frauen*bewegung einhergeht und wieder Debatten, wie das Einschränken des Rechtes auf Abtreibung, aufwirft. Dennoch müssen Lösungen für all diese Probleme politischer und nicht individueller Art sein. Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wäre ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Emanzipation der Frau* ist allerdings kein Kampf, der vor der eigenen Haustür gewonnen werden kann. Für mich ist es wichtig, auch Verantwortung für Menschen im globalen Süden zu übernehmen und dabei unser Konsumverhalten zu überdenken, politische Lösungen für die weltweite Verteilungsungerechtigkeit zu suchen und global zu handeln.

 

Um wirklich die Welt und bestehende Strukturen zu verändert, braucht es viele! Im letzten Jahr habe ich die #ichbinpolitisch Kampagne mitentwickelt, um auch andere Menschen für unsere Bewegung zu begeistern. Dabei ist es mir wichtig, besonders Jugendlichen zu zeigen: Wenn wir gemeinsam Aufstehen, Gesicht zeigen und für unsere Ziele eintreten, lässt sich wirklich was bewegen.

 

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir noch einmal das Vertrauen gebt. Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt mir gern via Mail (sarahge(at)live.de) oder Instagram (harrysbestefreundin, sehr sehenswert).

 

Mit sozialistischen Grüßen

 

Eure Sarah

 

 

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